polemisch :: zynisch :: sarkastisch

August 18, 2005

Von Hippies und Protestkultur

Filed under: society

Ein wenig hippielastig ist es schon, das Plakat Ströbeles zur Bundestagswahl. Entworfen hat es wieder einmal der berühmt berüchtigte Karikaturist Gerhard Seyfried. Am heutigen Donnerstag präsentierten es die Beiden gemeinsam in der Druckerei Klingenberg in Tempelhof. Überrascht hat eigentlich nichts. Ströbele ist und bleibt halt Ströbele.

Das Plakat wird oben und unten von “Erststimme Ströbele” in geschwungener 70er Jahre Schrift gerahmt. Im Bildmittelpunkt und vorneweg der Bundestagsabgeordnete, natürlich mit seinem Fahrrad, denn das hat er inzwischen dank windiger Fahrradkuriere, die es auf einem Flohmarkt fanden, wieder.
Vor seinem Vorderrrad eine Heuschrecke, die noch schnell um ihr Leben springt, denn bremsen würde der Grüne nach eigenen Angaben für Heuschrecken [das Finanzkapital, Antisemitismus ick hör dir trapsen] nicht. An seiner Seite ein bissiger Hund, der grad ein Wahlplakat von Angela Merkel bepisst hat. Auf diesem wedelt die CDU-Kanzlerkadidatin mit zwei USA Fahnen. Außerdem trägt sie einen Mc Donalds Aufnäher und eine “W”-Krone [Washington, Antiamerikanismus ick hör dir och trapsen]. Zwischen Ströbele und dem Hund wurde dann noch schnell ein Wahlschild platziert “Sozial, gerecht ist nicht zu teuer mit Ströbeles Vermögenssteuer! Prenzl-, Kreuzberg, Friedirchshain wählen sich den Christian rein!”
Im Hintergrund des Bilde steht in Reih und Glied eine Masse von Menschen, die die Aktualität der Protestkultur der 70er darstellen soll. Mit dabei Omi, eine Muslimin, ein Junkpunker mit “No war for future” T-Shirt. Dazu noch ein paar Anti-Atom, Anti-Nazi, Pro-Regenwald, Pro-PACE und Pro-Hanf Schilder und fertig ist der Mix aus dem, wofür Ströbele steht. Beobachtend in der ganzen Masse ist noch der arme Marx zu finden. Wie der dahin gekommen ist mir - und ihm wahrscheinlich auch - schleiherhaft, denn zu den Wählerinnen und Wählern Ströbeles, die eigentlich in ihrer Vielfalt dargestellt werden sollen, zählt er jedenfalls nicht.

August 2, 2005

time to get realy aggro

Filed under: german left

Das Rezept für eins der schlechtesten Projekte der deutschen Linken

Der Fler und die Volmer Antje tanzen den Fußpläddler, wobei Frau Antje noch mit dem Herrn Sido einschlägt. Dazu noch jeweils ein Zitat. Kein Kommentar, keine Bewertung, lediglich mal der Tipp für ein gutes Buch auf der Rückseite. So ungefähr lässt sich das Postkartenprojekt “Deutschland wird Aggro” der Gruppe Subversive Philosophie und Kummunismus (SPuK) aus Berlin beschreiben.

Bloß wen soll das Projekt erreichen?
Den*die Antifaschist*in, der*die eh schon wusste, dass es sich bei AGGRO Berlin um ein sexistisches, nationalistisches, antisemitisches und rassistisches Projekt handelt? Aber warum dann kein Text oder ne Homepage, sondern Postkarten, und die zudem in tausendfacher Ausführung? Damit auch jede*r Antifaschist*in bundesweit eine hat, und sich stets dran entsinnen kann, dass AGGRO Berlin schlecht ist und weiß, dass er*sie besser ist, zu den Guten gehört?
Oder aber die bürgerliche Gesellschaft, die sich immerhin wenigstens von der Frauenfeindlichkeit -ab und zu dann noch vom Antisemitimus- gestört fühlt und AGGRO Berlin regelmäßig medial in der Luft zerreißt? Bloß, wird man*frau ihnen mit einer platten Postkarte verdeutlichen können, dass es noch mehr zu kritisieren gibt? Oder gar, was wie in welchem gesamtgesellschaftlichen kontext steht? Wohl kaum.
Bleibt noch die Zielgruppe AGGRO Berlins, die Jugend. Aber, welchen nicht eh schon sensibilisierten Jugendlichen sagen die Postkarten, das AGGRO Berlin vielleicht doch nicht ganz so cool ist? Sie verstehen die Karten wohl eher als Werbegag ihrer Helden, da hilft auch der Buchtipp auf der Rükseite nichts.

ergo: Jede*r der*die nicht schon eh eine mindestens kritische Haltung zu dieser Gruppe hatte, erfreut sich daran endlich mal Zitate der eigenen Helden im Postkartenformat immer am start zu haben, wen er*sie diese wohl grad gebrauchen könnte. Alle Anderen wissen nicht mehr oder weniger als zuvor. Es kann also als Erfolg für die Hip Hop crew gewertet werden.

So deprimierend es auch ist: 1 zu 0 für AGGRO Berlin
time to get realy aggro about this project.






















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